Kapitel 9

Samantha und … Nailah!“, verkündete der Pharao missvergnügt einen weiteren Namen aus der Schale.

Eine Rothaarige mit braunen Augen trat in die blutige Arena.

Die Frau war mit Sommersprossen übersäht und fühlte sich aufgrund der „Kleidung“, wenn man dies überhaupt als Kleidung bezeichnen konnte, sichtlich unwohl in ihrer Haut.

Ständig zupfte sie an ihren Fetzen herum, achtete stets darauf, ob man etwas wieder bedecken musste und zitterte am ganzen Körper.

Sie war sosehr damit beschäftigt alles an Ort und Stelle zu halten, dass sie nicht einmal mitbekam, dass die Feder gefallen war.

Ich versuchte sie zwar noch durch ein lautes „Vorsicht, es geht los!“ zu warnen, doch Samantha stürmte schon auf sie los.

Nailah war geschockt, konnte mit den wenigen Augenblicken, die ihr blieben, nichts anfangen und blieb stockstarr stehen.

Sie war nicht im Stande sich zu wehren, als Samantha ihr bereits ihren Dolch ins Herz stach und sie wie ein Tier abschlachtete.

Keine Miene der Trauer verzog dabei Samanthas Gesicht, blieb stets kühl und ausdruckslos.

Alles bis auf ihre Augen.

Sie funkelten vor perverser Leidenschaft und strahlten vor Freude, ihre Beute erfolgreich erlegt zu haben.

Zumindest vermutete ich dies.

Nailah brach zu Boden.

Der Dolch steckte noch immer tief in ihrer Brust.

Sie hob und senkte sich nicht mehr.

Sie war tot und ihre braunen Augen starrten ausdruckslos vor sich hin.

Aber Samantha kümmerte dies nicht.

Nicht Nailahs Schicksal, nicht die Brutalität, nicht das Leben., das sie genommen hatte.

Stattdessen interessierte sie sich nur noch für die Wiederbeschaffung ihres Dolches, der fest im Herzen von Nailah steckte.

Samantha rüttelte und zog, doch Nailahs Leichnahm wollte die Waffe nicht mehr freigeben.

Verharrte tief zwischen den Rippen und hatte sich zwischen ihnen anscheinend verkeilt.

Samantha schnaufte genervt und setzte einen ihrer Füße soeben auf den Brustkorb ihres Opfers und nahm dabei hin, dass dieser dabei zerbrechen könnte.

Wollte dies herausfordern, als Ramses wüst sprach:

„Lass den Dolch drin! Das wird eine Riesensauerei! Ich spreche aus Erfahrung!“

Samantha sah den Pharao an.

Pure Enttäuschung spiegelte sich flüchtig in ihrem Gesichtsausdruck wieder, doch dann nickte sie und ließ von ihrer Beute ab.

Die zurückgekehrten Wachen kamen und trugen Nailah hinaus.

Die Raubtiere warteten schon auf sie.

 

 

„Endlich!“, freute sich Ramses beschwingt.

Ich richtete meinen Blick auf ihn, als ich begriff, was er meinte.

Er hielt ein weiteres Pergament in der Hand und stierte mich an.

„Samantha und Selene!

Mir rutschte das Herz in die, nicht vorhandene, Hose.

 

 

Es war soweit.

Meine Selene musste ihren ersten Kampf bestreiten.

Ihn gegen ein herzloses, blondes Muskelpaket gewinnen.

Mein Mondschein tapste mit unsicheren Schritten in die „Arena des blutigen Spektakels“.

Atmete noch einmal tief durch, erdete sich und sammelte all ihren Mut zusammen.

Sie sah schließlich von ihrer knurrenden Gegnerin zu mir herüber.

Blickte mich innig an, wobei ich ihr all meine positiven Gedanken schickte, all meine Kraft und all meine Liebe.

Denn all diese Dinge brauchte sie nun.

Benötigte sie gegen diese körperlich überlegene Konkurrentin.

 

 

„NA, Angst zu sterben, Püppchen?“, stichelte Samantha in freudiger Erwartung, als sie soeben einen neuen Dolch vom einhändigen Sklaven erhielt.

Sie grinste mich schelmisch an und befühlte dabei die Schärfe der Klinge.

Ihr gefiel es wohl, ihre körperliche Macht erneut vor aller Augen beweisen zu können.

Sah das ganze wahrscheinlich als vergnügliche Jagd an, in welcher ich eine weitere Trophäe werden sollte.

Doch das wollte ich auf keinen Fall zulassen, denn ich war keine Beute.

Ich war eine Kämpferin.

Eine Kriegerin der Liebe, der Treue und der Gerechtigkeit.

So glaubte ich an die Existenz von Karma und hoffte, dass diese magische Kraft mir helfen würde, mich gegen die blutgierige Samantha zu behaupten.

„Leck mich!“, retourte ich daher nur gedanklich und wartete auf das Herabfallen der Feder.

Kaum war sie dies, stürzte die kurzhaarige Blonde auf mich zu.

Sie wollte mir geschwind einen Stich in die Taille versetzen, doch ich wich aus.

Ich drehte mich im letzten Moment.

Frustriert über diese Tatsache, warf sie mir den Dolch entgegen und entschloss sich dazu, sich eine neue Waffe zu beschaffen. Sie nahm sich eine lange, eiserne Kette vom oberen Drittel der „Mörderwand“.

Ich musste schlucken, durfte aber keinen Gedanken der Angst widmen, denn jeder Hauch von Unkonzentriertheit konnte mir nun das Leben kosten.

Denn Samantha würde bestimmt versuchen, mich mit dieser Kette zu erwürgen, erschlagen oder zu zerquetschen.

Ich musste also auf der Hut sein, wurde allerdings doch noch von etwas Warmen auf meinem linken Arm abgelenkt.

Es war Blut. Mein Blut und eine Schnittverletzung, welche direkt am Handgelenk zu sehen war.

Ein kleiner Strom von Blut rann aus der Wunde und lief über meine Hand.

Ich war geschockt, doch spürte keinen Schmerz.

Zu viel Adrenalin, wie meine Mutter die Ursache dafür nannte, schoss durch meinen Körper und verschwieg mir, dass der Schnitt durch den missglückten Taillienhieb verursacht worden war.

Es war also ein Hieb, den ich doch nicht so gut abwehren konnte wie ich dachte.

 

Ich schüttelte meinen Kopf, ich musste wieder bei der Sache sein.

Konzentrierte mich wieder auf das Wesentliche und das nicht zu knapp.

Denn Samantha hatte gerade mit der Kette Schwung geholt und versuchte mich mit dieser zu erfassen.

Wollte mir mit voller Wucht auf den Schädel schlagen, doch ich reagierte und wich aus.

Konnte ihren vermutlich tödlichen Hieb entgehen, wurde allerdings an anderer Stelle von der Last der Kette getroffen.

Ihre Glieder peitschten ungebremst auf meinem Arm und schlängelten sich fest an meine Haut.

Ich versuchte aus der Kette zu entkommen, doch es gelang mir nicht.

Ich zerrte und wand mich, aber nichts half.

Eine Situation, die Samantha zu genießen schien, denn sie grinste höhnisch und zog mich an sich.

Ich wehrte mich dagegen, doch sie war zu stark.

Ich war bereits in ihrer Reichweite, in der Nähe ihrer Fäuste, als ich ihr hart gegen das Schienbein trat.

Sie heulte auf, doch lockerte ihren Griff nicht.

Nein, sie wurde nur noch wütender und riss noch kraftvoller an der Kette.

Sie wollte mich nur noch mehr mit all ihrer Macht zerquetschen, also tat ich etwas, das meine allerletzte Chance zu sein schien.

Ich trat Samantha zwischen ihre Beine und wurde sogleich von einem gewaltigen Ruck zurückgeschleudert.

Samantha hatte losgelassen, doch ich verlor den Halt, rutschte auf den blutigen Fliesen aus und verlor meinen Dolch.

Ich prallte mit meinem Kopf aufs harte Pflaster und tauchte ein in ein dunkles Schwarz.

Es war aus.

 

 

„S-E-L-E-N-E!“, hörte ich es von weitem her schallen.

Erst ganz leise, doch dann wurde es immer lauter.

Das Schwarz verblasste und wich mit jedem Augenblick der untrüben Klarheit.

Samantha stand über mir.

Mit vollkommen nackten Oberkörper.

Präsentierte ihre Muskeln und hob einen Gegenstand über ihren Kopf.

Es war eine Axt.

Augenblicklich wieder bei Bewusstsein zog ich meinen Körper von ihren Beinen weg.

Rutschte weg von ihr und spürte dabei wie die heißen Fliesen meine Haut verbrannten.

Und sah ihn endlich: Den Dolch!

Er war wenige Zentimeter von meinen Fingerspitzen entfernt.

Ich musste mich nur weit genug strecken, um ihn zu erreichen, aber Samantha war schneller.

Sie rückte mir geschwind auf die Pelle…und…schlug…zu!

Die Axt sauste zu Boden und verfehlte meinen Kopf nur um haaresbreite.

Verfehlte ihn nur, weil ich mein Haupt von ihr wandte.

Ihr Beil streifte „lediglich“ kurz meinen Hals ohne diesen ernsthaft zu verletzen.

Es war ein Wunder! Ich konnte es selbst kaum fassen.

Wusste nur, dass ich dieses Geschenk nutzen musste und trat mit aller Kraft gegen die Schienbeine meiner Gegnerin.

Ich schrie auf und tapste zurück.

Sie verlor allerdings nicht den Halt und hob erneut die Axt zum Angriff.

Schwang sie über den Kopf zum Ausholen bereit, doch diesmal war ich schneller, ergriff den Dolch und spiegelte die intensive Sonne an seiner Scheide.

Das Licht wurde gebündelt und traf Samantha scharf ins Auge.

Sie bellte auf, führte ihre Hände reflexartig vor ihre Augen und vergaß die Axt über sich.

Sie sauste herab und traf sie mit der flachen Seite des Axtteils.

Sie ging zu Boden und blieb regungslos liegen.

Karma bringts!

Ich atmete erleichtert aus und war froh Samantha nicht den Schädel gespalten zu haben.

„Sehr schön, sehr schön!“, bewertete Ramses diesen Zweikampf.

„Ich glaube mit diesem Ausgang hatte keiner gerechnet. Ich bin begeistert!“

Ich erhob mich atemlos von den Fliesen und versuchte mich vorsichtig auf die Beine zu bringen, als sich alles zu drehen begann.

Ich war noch immer etwas vom Aufprall benommen, doch versuchte kleine Schritte zu machen.

Es gelang mir.

Ich gewann also mit jedem weiteren Schritt das Gleichgewicht zurück, wobei nur mein Brummschädel zurückblieb.

Ich drehte mich daher langsam und sah zu Solonis.

Mein Liebster war mittlerweile vollkommen erblasst und schien nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein.

Er wirkte sehr betroffen und sah so aus, als würde er jeden Moment losheulen.

Ich lächelte bitter.

Denn noch war es nicht zu Ende und noch hatte nur ein kleiner Teil eines großen Albtraumes begonnen.

„Nun denn…der letzte Kampf bricht an: Selene gegen Hel!“

Ich umklammerte meinen Dolch, als die kleine Hel in die Mitte des „blutigen Spektakels“ trat.

Sie wirkte traurig, hatte mich wahrscheinlich, wie ich sie, ins Herz geschlossen.

Und dennoch mussten wir uns bekriegen. Denn täten wir es nicht, würde dies unser beider Ende bedeuten.

Die Situation war ausweglos.

Ihre bedrückten schwarzen Lippen und ihre umrandeten Augen zeigten ihre Zerrissenheit, aber es war unumgänglich.

Sie wirkte von außen so taff, vor allem durch ihre unzähligen Tattoos, doch in ihrem Inneren war sie so zart, dass ich mir wünschte sie unter anderen Umständen kennengelernt zu haben.

Wir wären bestimmt gute Freundinnen gewesen.

Fick dich Ramses!, verfluchte ich ihn daher in meinen Gedanken, woraufhin Ramses die Feder von Neuem zur Hand nahm und mich innig ansah:

„Auf das ich mehr Haut sehen werde“, sprach er, wobei es mir nochmals eiskalt den Rücken runter lief.

Doch als ich an mir herabsah, merkte ich schnell was er damit meinte.

Denn meine Fetzen saßen wundersamer Weise immer noch wie angegossen, waren nicht im Geringsten verrutscht und verhüllten alles was Solonis nur zu Gesicht bekommen durfte.

Ich war über diese Tatsache glücklich, hasste es allerdings wie Ramses mich ansah:

Wie ein Stück Fleisch.

Mir wurde übel.

Wenn er mich jetzt schon so ansieht, was stand mir dann als seine Mätresse bevor?

Runzlige Eier, die bis zum Boden hängen, staubiges Sperma das mit dem Wüstensand konkurrieren könnte und ein schlapper Schwanz, der nicht mal durch Magie lange am Stehen gehalten werden könnte?

Ich verdrängte es, als die Feder bereits ihr Ziel erreichte.

Der Kampf begann, doch Hel und ich zögerten.

„Ihr müsst kämpfen, sonst sterbt ihr beide!“, ermahnte uns Solonis daher noch einmal eindringlich.

In seiner Stimme schwang furchtbare Angst.

Er wollte mich unter gar keinen Umständen verlieren.

Tränen schossen mir in die Augen.

„Selene…wir müssen es tun.“, erinnerte mich nun auch Hel betrübt.

Ich nickte und antwortete:

„Mögen wir uns wieder sehen!“

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