Kapitel 8

Mit Entsetzen richtete ich noch immer meinen Blick auf meine Liebste.

Erst wenige Momente war es her, als ich meinen Hiero-Zauber ausgeführt hatte. Es war ein Zauber mit dm ich Hieroglyphen auf die unmöglichsten Stellen projizieren konnte.

Ich hielt noch immer meinen Zauberstab fest in meinen Händen und betete, dass meine Nachricht Selene zum Umdenken brachte.

„Bist du wahnsinnig?!“, brach plötzlich eine Stimme neben mir aus und riss mir den Stab aus der Hand, um ihn mir schließlich wüst in meinen Gürtel zurückzuschieben.

Es war Gladius, der anscheinend bedauerte seinen Klammergriff zu Beginn des Kampfes von mir genommen zu haben. Doch das war mir egal, denn das Einzige, was nun wirklich zählte war die Entscheidung meiner Selene.

Ich sah gebannt zu ihr hinüber und hoffte, sie würde sich fürs Leben entscheiden.

Für unsere Liebe, unsere gemeinsame Zukunft.

Denn ich würde es verhindern, dass Selene ihren Dienst als Mätresse antreten und Leid erfahren müsste.

Würde es mit allen Mitteln unterbinden und hatte dafür sieben Tage zeit.

Denn erst nach Ablauf dieser Zeitspanne war eine Frau, aus den Augen des Pharaos, bereits seine sexuellen Passionen zu erleben oder besser gesagt zu ertragen.

Eine knappe Gelegenheit also, die allerdings nicht unmöglich zu unterschreiten war.

Denn sie reichte, um einen Plan zu schmieden und diesen unverzüglich in die Tat umzusetzen.

Genügte gerade dafür, um meine Selene aus den Fängen des Pharaos zu befreien.

Aber dafür musste sie kämpfen.

Musste sie gewinnen.

Musste sie überleben!

Und dann kam die Erlösung:

Selene nahm Blickkontakt zu mir auf, sah mir tief in meine Augen und nickte.

Sie war einverstanden und senkte ihren Dolch gen Boden.

Ich danke dir, mein Mondschein.

 

 

Die Frauen kämpften noch immer gegeneinander und hatten mittlerweile ihre gesamten Fetzen komplett „abgelegt“.

Hatten ihren schweißnassen Körpern „nur“ unbedenkliche, oberflächliche Wunden zugefügt.

Und das trotz des unermüdlichen Waffenwechsels und ihrer zahllosen, spektakulären Kunststücke.

Eine Anomalie, die selbst der Pharao bemerkte und ihn übel aufzustoßen schien.

„Wollt ihr mich verarschen?! Denkt ihr, ich durchschaue euer Theater nicht? Haltet ihr mich für so dumm? … Entfernt sie aus meinem Blickfeld und füttert mit ihren Körpern die Krokodile!“, warf er den nackten Frauen erbost vor und befahl schließlich seinen Wachen sie fortzubringen.

Und so geschah es, dass Mara und Hathor von zwei Wächtern gepackt und weg geschliffen wurden.

Alles unter ihrem todesängstlichen Schreien und dem unermüdlichen Flehen um Gnade.

Ich musste bitter schlucken.

„So das sollte euch eine Lehre sein. Niemand hintergeht mich und täuscht einen Todeskampf vor. Zumindest niemand, der leben will!“, behelligte er uns Frauen und zog bereits zwei neue Pergamentschnipsel aus der goldenen Schale, welche Imothep hielt, heraus.

„Lapis und Saphir!“

Zwei zierliche Damen mit wunderschönen Gesichtern traten vor.

Sie hielten ihre Dolche fest in ihren Händen oder versuchten es zumindest, denn ihre Handflächen schienen nass vor Schweiß zu sein.

Sie waren nachvollziehbarerweise nervös, litten unter Todesangst und warteten mit unruhigem Augenpaar auf das Zeichen der Feder.

Sie schluckten schwer, als die Feder den Kampf der Dolche beginnen ließ.

Denn sie wussten, dass sie kämpfen mussten, gezwungen waren sich ohne Rücksicht auf Verluste zu bekriegen und auf ungeheure Weise zu verletzen.

Denn wenn nicht, wussten sie nun, was ihnen blühte.

Also begann die Frau mit eingeflochtenen Perlen im Haar auf die dunkelhäutige Schönheit mit glattem Haar loszugehen und versetzte ihr einen Hieb in die Schulter.

Sie schrie auf und trat ihre Gegnerin mit einem Kick ihrer Füße von sich.

So heftig, dass die „Perlenflechte“ das Gleichgewicht verlor und auf die erste Stufe des Thrones fiel.

Ihr Dolch flog ihr dabei aus der Hand und landete weit weg von ihr auf den Fliesen.

Die „Schönheit“ indes atmete schwer und begutachtete kurz ihre blutende Wunde.

Sie bemerkte dabei nicht mal den verrutschten Teil ihres Lendenschutzes.

Er war nach oben gerutscht und entblößte ihre Scham, welche der Pharao natürlich ungeniert beschaute.

„Perlenflechtes“ Situation schien auswegslos, denn sie lag noch immer auf der Treppe und war nicht in der Lage an ihre Waffe heranzukommen. Sie wurde nur noch panischer vor Furcht als die „Schönheit“ langsam auf sie zukam.

Doch dann wich Mut und Tatendrang ihrer Angst, sodass sie sich erhob und unbedacht lossprintete.

Sie wollte zur Wand mit den Waffen, wurde allerdings von der „Schönheit“ durchschaut und abgefangen.

Sie revanchierte sich für ihre Verletzung und stach zu.

Direkt in ihren Bauch, wobei „Perlenflechte“ vor Pein schrie und sich an dem Oberteil ihrer Gegnerin klammerte.

Sie riss es herunter als die „Schönheit“ den Dolch wieder zurückzog.

Die Getroffene stieß mit letzten Kräften ihre Gegnerin von sich und versuchte, mit an den Bauch gepressten Händen, die Wand doch noch zu erreichen.

Doch Blut quoll aus der schweren Wunde und tränkte ihre Hände in tiefstes Rot.

Tropfte stetig zu Boden und hinterließ eine blutige Spur des Todes bis sie endlich die Wand erreichte.

Doch es war zu spät.

Der hohe Blutverlust forderte sein Opfer und ließ „Perlenflechte“ bewusstlos, wenn nicht sogar tot, zu Boden sacken.

Die „Schönheit“ hatte also gewonnen und sah mitan wie ihre blutüberströmte Gegnerin aus dem Raum gebracht wurde.

Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, denn soviel emotionslose Brutalität hatte ich noch nie zuvor gesehen.

Meine Beine wurden weich, denn die nächste Gegnerin folgte prompt:

„Saphir und Naiomie!“

Puh. Isis sei Dank wurde ich noch immer verschont.

Doch für Naiomie begann nun vermutlich der härteste Kampf ihres Lebens und so entschied von Neuen das Zeichen der Feder über Leben und Untergang.

„Naiomie und Tatiana!“

Eine starr blickende blonde Frau mit ungewöhnlich hellblauen Augen trat vorsichtig hervor.

Sie hatte dabei aus Versehen Hel gestreift und entschuldigte sich dafür bei ihr.

Zudem sprach sie:

„Kann mir jemand sagen, wenn die Feder gefallen ist. Ich kann es nicht sehen, bin schon als ich klein war erblindet.“

Ich verlor den Boden unter den Füßen.

Eine Blinde sollte gegen eine, gnadenlos im Vorteil seiende, Schlächterin antreten?

Das konnte doch selbst der unbarmherzige Pharao nicht zulassen.

Aber ich irrte mich, denn er zweifelte nur:

„Bist du überhaupt blind oder ist das nur ein gerissenes Täuschungsmanöver?“

Ich war empört und zischte:

„Das ist das einzige ‚Problem’, das sie sehen? Haben Sie sie noch alle?“

Der Pharao wandte seinen Kopf und blickte wütend auf mich herab.

„Hast du schon mal etwas von Respekt gehört?“

„Doch, aber Sie wohl noch nie etwas von Gerechtigkeit oder Mitgefühl!“

Ich blickte zu Solonis.

Er war leichenblass. Verfluchte wahrscheinlich in diesen Moment mein loses Mundwerk, doch ich musste mich für Tatiana einsetzen.

Der Pharao stieg von seinen Thron herab und drohte:

„Sei still! Oder auch du landest schon bald bei den Krokodilen. Nicht wahr, Solonis?“

Ich rollte mit den Augen, als der Pharao zu Solonis sah und hielt aufgrund meines Versprechens fürs Überleben zu kämpfen meinen Mund.

Auch als der Pharao vor Tatiana trat und ihr befahl vollkommen still zu halten, hielt ich mich dennoch schweren Herzens zurück.

Ramses sah Tatiana lange ins Gesicht, vor allem in die Augen bis er urplötzlich ihren oberen Fetzen herunterzog und musterte.

Ihre Mimik und Pupillen betrachtete und natürlich auch ihre Brüste besah.

Doch ihr Blick blieb leer.

Danach wedelte er mit seinen Händen vor ihrem Gesicht herum, aber Tatiana erschrak nicht.

Indizien, die darauf schließen ließen, dass sie tatsächlich blind war, doch Ramses war das noch nicht genug.

Er nahm seine Hände vor Tatianas Brüste ohne sie jedoch zu berühren und fixierte ihr Gesicht.

Auch daraufhin zeigte sie keine Reaktion.

Also ging er noch weiter und nahm ihre Brustwarzen zwischen seine Finger.

Tatiana atmete erschreckt aus, wich allerdings nicht zurück. Nicht davor und nicht danach.

„Gut, sie ist wirklich blind“, bestätigte er und nahm seine Finger von ihr. „Ich sage dir, wenn die Feder gefallen ist. Aber dann kämpfst du wie jede Andere!“

Er kehrte zu seinem Thron zurück, wobei ich explodieren wollte.

Das gegebene Versprechen drohte also an meiner Wut zu zerbrechen, als Hel meine Hand plötzlich an sich riss und mit dem Kopf zu schütteln begann.

Sie hatte recht. Ich musste mich besser unter Kontrolle haben.

Musste mich für Solonis, für meine Liebe, zurückhalten.

Ich nickte also und zuckte zusammen als Ramses laut sprach:

„Fangt an!“

Dummer Idiot! Sie ist blind und nicht taub, dachte ich dabei nur.

Und so begann der, für mich, der ungerechteste Kampf aller Zeiten.

Tatiana stand regungslos da, wobei Naiomie erst zögerte, doch dann entschlossen auf sie zutrat.

Sie war schon sehr dicht vor ihr zu stehen gekommen als das passierte, womit ich nie in meinem Leben gerechnet hätte.

Tatiana benutzte ihren Dolch.

Benutzte ihn und schnitt Naiomie die Kehle durch.

Sie fiel dumpf zu Boden.

Ich hatte Tatiana unterschätzt, war entsetzt, aber auch ergriffen von dem was daraufhin folgte.

Tatiana kniete sich zu Boden.

Begab sich zu, der nach Luft röchelnden, Naiomie herab und „sah“ nach ihren Verletzungen.

Fühlte den tödlichen Schnitt, das ganze Blut und ließ erschrocken ihren Dolch zu Boden fallen.

Sie fing an zu weinen.

Erst still, doch dann immer hemmungsloser und lauter.

Wischte sich danach immer wieder das Gesicht mit ihren blutverschmierten Händen ab und entschuldigte sich immer wieder und wieder aufs Neue:

„Ich wollte das nicht … Wollte deine Brust treffen…doch du bist…bist kleiner als ich vermutete…es tut mir so Leid…so Leid!“

Sie weinte noch heftiger.

Weinte aus voller Brust und vollem Schmerz, vor allem als Naiomie ihren letzten Atemzug machte.

Tatiana konnte es nicht glauben, nicht fassen, dass Naiomie vollends verstummte.

Wollte nicht wahrhaben, was sie getan hatte.

Wollte diesen tragischen Unfall ungeschehen machen, doch konnte es nicht.

Konnte mit dieser Last nicht umgehen und klammerte sich an Naiomies Leiche.

Ließ sie nicht los, auch als die Wachen diese wegschaffen wollten.

Aber sie wurde dazu gezwungen, wurde von ihr weggerissen und verblieb bitterlich weinend an der Stelle, an der Naiomie durch ihre Hand ihr Ende fand.

Mein Herz zerbrach bei ihrem Anblick.

Meine Gedanken waren erfüllt von Schmerz und Trauer, doch ich konnte es mir nicht im Ansatz vorstellen wie große diese für Tatiana waren.

Konnte mir nicht ausmalen wie groß sich so eine Tat auf seine eigene Seele auswirkte.

 

Tatiana war ein Häufchen Elend, war zusammengesackt und zerbrochen an der Grausamkeit des Pharao.

Ich blickte zu ihm auf und sah weder einen Funken von Trauer noch Mitgefühl in seinem Blick.

Nein, er wirkte stattdessen sogar gelangweilt und zog einfach ein weiteres Pergament aus der Schale.

„Tatiana und Samantha!“, rief er bereits ihre nächste Gegnerin auf, wobei Tatiana es vor Fülle an Emotionen gar nicht mitbekommen zu haben schien.

Eine Sache, die Samantha, eine stark muskulöse Frau, wohl erkannte, denn sie zischte:

„Steh auf, du Heulsuse!

Mir stand der Mund offen.

Diese Samantha war offensichtlich genauso kaltschnäuzig wie der Pharao.

Sie wären wohl das perfekte Paar, wären das non plus ultra des Sadismus, da war ich mir sicher.

„Ich gebe auf!“, durchbrach plötzlich Tatiana meine geheime Sicht der Dinge.

Ich fiel aus allen Wolken.

Nun war ich diejenige, die es nicht glauben konnte und vernahm allerdings dafür umso mehr die Beleidigung Samanthas.

„Feigling!“

Ich musste einschreiten. Es musste einfach sein.

„Halt dein Maul!“, bellte ich also das herzlose Biest an und sprach schließlich an Tatiana gewandt:

„Aber Tatiana…überleg es dir…“

„Nein, ich gebe auf!“

Und mit diesen fest entschlossenen Worten und der Unmöglichkeit sie noch umstimmen zu können, besiegelte sie ihr Schicksal und wurde auf Anweisung des Pharaos von den Wachen aus den Raum gebracht.

Ich blickte noch immer auf die Tür, wodurch sie mit leerem Blick geschritten war, als Solonis meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Ich hatte ihn noch nie so blass gesehen.

Hatte dies stets für unmöglich gehalten, denn seine sonnengebräunte Haut ließ dies für Gewöhnlich nicht zu.

Und ahnte, dass er sich große Sorgen um mich machte.

Ich wollte seinen Kummer daher etwas lindern und formte also „Ich liebe dich“ mit meinen Lippen.

Ich lächelte, wobei er mich intensiv ansah und meine Liebe mit „Und ich liebe dich, mein Mondschein“ erwiderte.

Sogleich breitete sich Glück und wohltuende Wärme in mir aus, doch Ramses ruinierte die Stimmung, indem er spottete:

„Wie überaus rührend. Beinahe sooo ergreifend wie der freiwillige Tod der Blinden.“

Er lachte auf, wobei ungeheure Wut in mir aufstieg und die restlichen Gefühle verdrängte.

Denn Tatianas Ende ging ihm am Arsch vorbei, jedes seiner Opfer tat das.

Ich stierte ihn also böse an.

„Zu dumm…“, bemerkte er daraufhin nur, „…die Grazie hat einen Maulkorb verpasst bekommen. Obwohl kriegerische Amazone bei dir, der wohl passendere Name wäre. So wild und ungezügelt du bist. Sehen wir mal, ob dies auch im Kampf auf dich zutrifft. Hoffen wir also, dass schon bald dein Name fallen wird.“

Er schmunzelte diabolisch und wandte sich schon gleich der goldenen Schale zu, um das nächste Opfer zu bestimmen.

Er wühlte genüsslich lange in ihr herum.

Wollte mich dadurch wahrscheinlich nur noch mehr auf die Folter spannen, bis er schließlich doch einen Zettel zog.

Er nahm das Pergament an sich und begutachtete es…

„Samantha und… Nailah!“

Der Pharao wirkte enttäuscht.

 

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