Kapitel 7

Es war eine goldene Schale, die über unser Schicksal entscheiden sollte.

Die unsere Namen in sich trug.

Über unsere Gegner entschied und unseren Untergang benennen konnte. Doch bevor es soweit war, wurden wir bereits jetzt mit Waffen versorgt.

Einen Dolch für jeden von uns.

Serviert von einem Sklaven auf einem goldenen Tablett.

Mir stockte der Atem. Denn diese tödliche Waffe machte mir nur noch mehr den Ernst der Lage bewusst.

Meine Finger zitterten als ich die scharfe Klinge zur Hand nahm.

Ihr Griff war verziert mit Skarabäus-Käfern.

Nur ein Stich, dann wäre alles vorbei, dachte ich mir als Ramses erklärte:

 

„Wie ich bereits sagte, trägt diese Schale alle eure Namen in sich. Sie wird darüber entscheiden welche von euch wann gegen wen kämpfen wird. Eure Waffen sind dabei der Dolch in euren Händen und all die schönen Dinge an dieser Wand.“

Er zeigte auf die Wand der Eingangspforte. Ich war schockiert. Denn erst jetzt sah ich die ganzen schrecklichen Folterinstrumente, die an dieser hingen.

Mir wurde bei diesem Anblick nur noch mehr schlecht, wobei der Drang in mir stieg es endlich hinter mich zu bringen.

Diesen Dolch in mich hineinzurammen.

„Ihr kämpft bis zur Aufgabe eures Gegners, dessen permanente Bewusstlosigkeit oder seinen Tod. Überlebt allerdings der Verlierer, so wird ihn dennoch alsbald der Tod ereilen. Denn er wird bei lebendigem Leibe den Krokodilen, Tigern oder Löwen zum Fraß vorgeworfen. Der Gewinner allerdings bleibt im Spiel und wartet auf die Verkündung seines nächsten Gegners durch mich. Denn ich werde so frei sein und einen weiteren Zettel ziehen…“

„Das ist total unfair!“, nutzte eine meiner Leidensgenossinnen die Gunst der Redepause und machte ihren Ärger freie Luft. Sie motzte nur vor sich hin, doch nicht leise genug um den Ohren des Pharaos zu entgehen.

Ramses sah sie an.

Sie war eine langlockige Blondine mit fremdländischem Akzent.

„Was ist schon fair im Leben? …Nichts! Also kämpft oder sterbt!“

Ramses war ein krankes Arschloch. Sah den blutigen Kampf bestimmt nur als Zirkus seines beknackten Vergnügens. Liebte es wahrscheinlich mit dem Leben anderer zu spielen und genoss seine Erhabenheit.

„Nun, euer Kampf wird auch nicht vergebens sein. Denn die Letzte von euch, der einzigen Überlebenden schenke ich nicht nur das Leben sondern auch ein Dasein als einer meiner Mätressen.“

Schock.

Schock für mich.

Schock für uns alle.

Meine ganze Welt geriet noch weiter aus den Fugen.

Nein, das konnte nicht wahr sein. Ich musste träumen. Es musste ein schlimmer Albtraum sein. Es musste!

Denn niemand sah das Dasein als Mätresse als Segen an.

Nein, für alle Frauen unserer Welt wäre dies eine große Schande.

Der Verlust der Reinheit und der Ehre.

Doch dann blinzelte ich wieder und ich wusste, dass es keiner war.

Wusste aber auch, dass ich ein Leben als Mätresse des Pharaos nicht antreten konnte.

Wusste, dass ich daran zerbrechen würde.

Gemäß der Vorraussetzung, dass ich überhaupt gewinnen sollte.

Eine Annahme, deren Chancen geradezu gering waren.

Und dennoch konnte ich den Gedanken nicht ertragen, dass der alte schmierige Ramses meine Haut berührte. Mich so anfasste wie Solonis es tat.

Und konnte nicht diesen Verrat erdulden, den ich durch den Gewinn meines Lebens meinem Verlobten antat.

Denn einzig und allein Solonis durfte die Schönheit meines Körpers erblicken.

Seine Geheimnisse erforschen.

Meine Haut berühren.

Meine Lust erfahren.

Denn nur IHM galt dieses Privileg. Keinem anderen.

Nur IHM gehörte mein Körper, all meine Liebe und all meine Treue.

Ich hatte also keinen Grund dieses Turnier für mich zu entscheiden.

Alles wehrte sich dagegen, sodass mir von Neuen dieser Gedanke kam:

Stich zu! Ersteche dich!

 

Und so grausam es sich auch anhörte, war dies die einzige Lösung.

Denn weder wollte ich des Pharaos Mätresse werden noch dafür sorgen, dass Blut an den Händen meiner Mitkämpferinnen klebte.

Wollte meine kommende Gegnerin nicht mit meinem Tod belasten nachdem sie mich besiegte.

Wollte nicht, dass sie deswegen unnötige Schuldgefühle bekam.

Und wollte vor allen Dingen meinen Tod selbst in die Hand nehmen.

Selbst darüber entscheiden.

Also beschloss ich es zu tun.

In einem günstigen Moment.

Während eines Augenblicks, an dem alle Aufmerksamkeit anderen galt.

Alle Augen nicht auf mich gerichtet waren.

Im Gefecht des ersten Kampfes.

Ich hoffte also, dass mein Name nicht fallen würde und lauschte:

„Mara und Hathor!“

Ich war erleichtert.

Meinem Plan stand also nichts im Wege.

Doch für Mara und Hathor ging es jetzt ans Eingemachte.

„Tretet vor und kämpft sobald die Feder…“ Der Pharao hielt eine schwarzweiße Feder in die Luft „…auf meinem Schoß hinuntergefallen ist!“

Und so geschah es auch.

Zwei tätowierte Frauen traten in die Mitte. Eine davon war die Blonde mit Akzent und die andere eine Brünette mit buschigen Augenbrauen.

Sie wirkten eingeschüchtert und ängstlich, aber auch zu allem bereit.

Musterten sich von oben bis unten, ehedem sie ihren Blick zum Pharao emporragten.

Er ließ die „Feder der Entscheidung“ herabfallen und verfolgte wie jeder andere ihren Weg zu seinem Schoß.

Sie hatte ihr Ziel erreicht.

Der Kampf begann.

Die Frauen wandten sich nun einander zu, achteten auf jede Bewegung die sie machten und beobachteten sich mit Argusaugen.

Sie schritten dabei in einem gemeinsamen Kreis umher und warteten auf die perfekte Gelegenheit.

Solange bis eine die Chance ergriff und mit dem Dolch auf die andere losging.

Es war die Brünette, die diesen Angriff startete, die versuchte der Blonden einen Stich in die Brust zu versetzen. Doch die Blondine reagierte schnell und wich aus, sodass ihre Gegnerin mit Schwung auf den Boden fiel.

Sie richtete sich auf und war barbusig.

Geschuldet den rutschigen Fetzten, die sie am Leibe trug.

Die Augen des Pharaos wurden größer ebenso wie seine Pupillen.

Es geilte ihn also wirklich auf, Frauen beim Kampf ums Überleben zuzusehen.

Zu betrachten wie sie sich ihre Fetzen vom Körper rissen und ihre nackten verschwitzten Körperregionen freigaben.

Ich verzog das Gesicht.

Und dann war es soweit.

Alle Blicke waren nun auf die Kämpfenden gerichtet, sodass ich begann den Griff meines Dolches noch fester zu umklammern.

So stark, dass sich seine Verzierungen geradezu in meine Haut bohrten.

Ich holte gerade aus, um die scharfe Klinge wüst in meinen Bauch zu stoßen, als plötzlich eine leuchtende Inschrift auf dieser erschien und mein Interesse erweckte.

Ich ließ also ab von meinem Vorhaben und las Satz für Satz:

 

„Selene, mein Mondschein.

Verzweifle nicht zu jener dunklen Stunde.

Dein Licht ist stärker als jede Finsternis.

Stärker als jeder düstere Gedanke.

Ich flehe dich an! Sieh ab von dieser schrecklichen Tat!

Kämpfe für dein Leben, dein Überleben.

Kämpfe für uns.

Denn ich könnte es nicht ertragen dich sterben zu sehen.

Gewinne dieses Turnier!

Ich werde mir etwas einfallen lassen. Denn sind genug.

Semper Fidelis!

Dein Solonis“

 

Tränen stiegen mir in die Augen.

Ich konnte es nicht mehr tun.

Denn ich wollte mit meinem letzten Atemzug Solonis nicht verletzen, nicht übergehen und vertraute ihm.

Verließ mich darauf, dass wir glimpflich aus der Sache herauskommen könnten.

Ich beschloss also zu kämpfen, nicht kampflos unterzugehen und das obwohl ich noch immer nicht verstand, was genau Solonis mit diesen sieben Tagen eigentlich meinte.

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