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The Curse

Der Fluch der Mumie

Wir schreiben das Jahr 1089v.Chr.

Eine Welt, in der der todbringende Pharao Ramses die Ägypter fest in seinen Fängen hält.

Eine Zeit, in der wahre Liebe so gut wie unmöglich ist.

Doch nicht für Selene & Solonis.

Ein junges Paar das unzertrennlich ist,

gesellschaftlichen Konventionen trotzt und für ihre Zukunft kämpfen wird.

Denn ihre perfekte Welt wird bald zusammenbrechen…

Wird es ihnen gelingen alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen?

Wird ihre Liebe stärker sein als jeder Fluch?

Werden sie sich gegen die Macht des Pharaos behaupten können?

Das Abenteuer von Selene & Solonis beginnt…

5 Gedanken zu “Startseite

  1. Zunächst einmal gefällt mir die Idee der Geschichte ausgesprochen gut – insbesondere das Ende, denn immer nur Happy Ends zu lesen bei solchen Geschichten ist ausgesprochen langweilig und gute Geschichten müssen nicht mit Friede, Freude, Eierkuchen enden. Gute Geschichten fesseln einen Leser mit einem ausgewogenen Stil, dem richtigen Maß an Spannung und überzeugenden Charakteren.
    Leider hapert es hier mit genau diesen Dingen noch, was ziemlich schade ist. Aber dafür sind Reviews und Überarbeitungen ja da, nicht wahr? Aber lass mich von vorne anfangen.

    Der Stil
    Dein Stil ist, um es im Jargon auszudrücken, die meiste Zeit über ziemlich rosa. Ich persönlich habe nichts gegen gewählte Sprache, benutze sie für Geschichten auch ganz gerne, aber wie es Paracelsus treffend ausdrückte: „Die Dosis macht das Gift.“ Momentan erscheint alles ausgesprochen überdramatisiert, insbesondere bei den Monologen der Protagonisten. Dass sie einander lieben und sich um einander sorgen ist sehr verständlich, aber das Ganze in ziemlich geschwollener Sprache breit zu treten hilft nicht bei der Überzeugungsarbeit gegenüber dem Leser. Zumal an anderen Stellen moderne Umgangssprache auftaucht, die dazu überhaupt nicht passt, beispielsweise das Siezen des Pharao oder „Karma bringt’s“. Der Effekt des Ganzen ist ein einschläferndes Lesen während der Monologe und ein ziemlich stockendes wenn es dann „um die Wurst“ geht, wenn man so will.
    Mein Rat wäre, sich auf einen Mittelweg festzulegen. Gewählte Sprache ja, aber das geht auch ohne einen Wust an Halbsätzen. Ab und zu sind sie ein gutes Stilmittel, aber so gehäuft wie hier nutzt sich der Effekt viel zu schnell ab. Außerdem bleiben richtige Beschreibungen der Szenerie oder anderer Charaktere leider viel zu sehr auf der Strecke. Ein einheitlicher Stil ist vor allem am Anfang ziemlich schwierig zu erreichen, aber mit Übung findet jeder seinen eigenen, flüssigen Schreibstil. Manchmal hilft es auch, sich seine Lieblingsbücher noch einmal genauer anzuschauen und sich dabei Gedanken zu machen, wie der Autor schreibt, welche Stilmittel er wie und wann benutzt und dergleichen. Ich persönlich kann es empfehlen, auch wenn es ziemliche Arbeit ist.

    Die Spannung
    The Curse hat ein sehr großes Potenzial und ich finde es sehr schade, dass es nicht richtig genutzt wurde. Wie ich beim Stil bereits sagte sind größere Strecken der Geschichte recht eintönig durch die übermäßige Nutzung gestelzter Sprache während andere Teile durch Umgangssprache ziemlich holpern. Das hat auch Auswirkungen auf die Spannung. Die Dramatik der Monologe der Protagonisten eben durch den Versuch, es möglichst dramatisch darzustellen ziemlich zunichte gemacht, dabei bieten sie Vorlagen für den Spannungsaufbau. Und an anderer Stelle fliegst du praktisch durch die Handlung, wobei das Potenzial natürlich nicht voll ausgeschöpft werden kann. Ein weiterer Knackpunkt ist sogenanntes Infodumping, wie etwa bezüglich des Schutzanhängers des Pharao. Mehr Informationen für den Leser sind schön und gut, aber sie müssen auch logisch in die Geschichte passen und welcher Herrscher, der sich grade einen Magier zum Feind gemacht hat, würde dem sofort seine große Schwachstelle in allen Einzelheiten schildern und sogar zeigen?
    Ich würde vorschlagen, dass du dir zum erzählen mehr Zeit nimmst und die Dinge in mehr Kapitel unterteilst. Nimm dir mehr Zeit, dem Leser die Geschichte zu zeigen und nicht nur zu erklären. Nach diesem Prinzip funktioniert jede gute Geschichte: „Show, don’t tell.“ Du hast so viel Potenzial in deiner Geschichte, dass es sehr schade wäre, es so einfach wegzuwerfen.

    Die Perspektive
    Die Ego-Perspektive ist immer so eine Sache. Es gibt sehr gute Gründe, warum Autoren sie eher weniger gern benutzen um ihre Geschichten zu schreiben – erst recht wenn sie ausschließlich aus dieser Perspektive erzählt werden. Man muss die Charaktere sehr gut studiert und viele Kleinigkeiten im Hinterkopf haben, wenn man überzeugen möchte. Zu den Charakteren habe ich unten einen eigenen Absatz verfasst. Was aber eine weitere Gefahr bei der Ego-Perspektive ist: das Vermischen von Autorenwissen mit Charakterwissen. Und genau das ist hier passiert. Besonders deutlich wird es in der Szene, in der Selene und Hel vor den Pharao geführt werden. Wenn ich es recht verstanden habe, kennen die zwei sich jetzt nur daher, dass beide von Wachen durch die Gegend geschleppt wurden während sie sich energisch dagegen gewehrt haben. Woher soll Selene über Hels Charakter so ausführlich Bescheid wissen wie hier geschildert? Das sind Dinge, auf die unbedingt geachtet werden sollte, denn es fällt vielleicht dem Autor selbst nicht auf, aber auf jeden Fall dem Leser. Um solche Dinge zu vermeiden bietet es sich immer an, einen Betaleser zu bitten, auf grade solche Dinge zu achten und darauf aufmerksam zu machen.
    Wenn man merkt, dass die Ego-Perspektive allein einem das Schreiben erschwert, ist es keine Schande, sie mit anderen Erzählweisen abzuwechseln. Ein gutes Beispiel ist die Bartholomäus-Reihe, bei der sich Ego-Perspektive und auktorialer Erzähler je nach Figur abwechseln. Was ebenfalls einen Versuch wert wäre, wäre es, auch einen der Antagonisten als Point of View mit rein zu nehmen. Schließlich werden Ramses, Imothep oder Sam auch so ihre Gedanken zu dem Ganzen haben und es hilft, die Motivationen zu erkennen.

    Ausdrücke
    Dass du versuchst, möglichst abwechslungsreiches Vokabular zu nutzen, ist sehr löblich. Es bringt mehr Leben in die Geschichte und kann Sachverhalte genauer darstellen als immer nur die gleichen Worte für Dinge zu nutzen, die genau genommen nicht das Selbe sind. Allerdings muss man hier auf sprachliche Feinheiten achten, sonst wird die gute Intention durch den eigenen Ehrgeiz zunichte gemacht. Genau das ist leider auch hier manchmal passiert. Dafür bin ich so frei mir zwei Beispiele heraus zu nehmen.
    Das Erste wäre das von dir verwendete „Mir wurde schwarz vor Augen“. Diese Umschreibung bezeichnet einen Ohnmachtsanfall. Du allerdings hast sie so benutzt, dass Selene für einen Moment nichts mehr sehen kann – was man als Migräneaura deuten könnte, denn ich kenne dieses Phänomen. Diese fehlerhafte Nutzung hat mich stutzen lassen, denn ich fragte mich, warum a) Selene noch in der Ohnmacht denken kann und b) niemand darauf reagiert, dass sie grade aus heiterem Himmel in Ohnmacht gefallen ist. Es hat sich im Text dann zwar geklärt, aber solche Dinge verwirren Leser schon sehr.
    Mein zweites Beispiel ist der Begriff „abschlachten“. Du benutzt ihn in dem Zusammenhang, wie Sam ihre Gegnerinnen besiegt. Dazu ein paar Fakten aus dem Kontext: Dolche sind keine Waffen für große Wunden. In der Regel wurden sie nicht einmal primär für den Kampf angefertigt, sondern waren eher Ritualgegenstände und reine Stichwaffen. Zudem erscheint Sam als erfahrene Kriegerin, vielleicht sogar echte Amazone (auch wenn sie dann einen verdammt weiten Weg bis nach Ägypten hinter sich hätte). Es geht hier darum, ihr Leben zu retten und sie weiß, wie man Feinde am Schnellsten kampfunfähig bekommt. „Abschlachten“ klingt danach, als würde sie willkürlich noch mehrere Male auf ihr Opfer mit dem Dolch eindreschen, du selbst schreibst aber, dass sie recht gezielte Schläge benutzt. Das passt also allein vom Bild her nicht zusammen, auch wenn Selene sehr entsetzt ist, was für eine starke Gegnerin sie ist und wie versiert mit dem Dolch. Schließlich dürfte Selene wissen, dass es da Unterschiede gibt.
    Auf solche Dinge gilt es ebenfalls zu achten, auch wenn du sie benutzt, um die Spannung einer Szene zu steigern. Sprache und Wortwahl haben nicht nur eine einzelne Funktion, sondern erfüllen mehrere.

    Die Charaktere
    Hier bin ich beim Lesen ebenfalls ziemlich ins Stolpern gekommen. Beide Protagonisten erscheinen mir sehr idealisiert während die Antagonisten – gefühlt fast alle in der Geschichte außer den beiden – ziemlich konstruiert wirken. Das werde ich aber bei der Historie auch noch näher erläutern. Natürlich ist es schön zu sehen, dass beide einander lieben und dass es Gegenspieler gibt, aber es fehlen die charakterlichen Fehler. Solonis erzählt in den ersten Kapiteln ja von Selenes vielschichtigem Charakter. Zu einem Zeitpunkt, an dem wir davon recht wenig bis gar nichts gesehen haben. Natürlich hat er dem Leser gegenüber einen zeitlichen Vorsprung, aber sobald dieser Charakter in der Geschichte gezeigt wird, wirkt es nicht mehr wirklich wie die gleiche Person. Selenes Gefühlsleben wechselt extrem sprunghaft, bleibt innerhalb einer Szene nicht konstant. Es erscheint immer alles oder nichts. Das stört extrem wenn man versucht, mit der Protagonistin Sympathie aufzubauen. Ähnliches gilt für Solonis. Angesichts dessen ist es fast ironisch, dass die überzeugendsten Charaktere Ramses, Imothep, Kek und Sam sind. In den ersten Kapiteln erscheint Selene als ein ruhiges, pflichtbewusstes und etwas schüchternes Mädchen. Dazu passt es nicht, dass sie von jetzt auf gleich vor Wut fast an die Decke geht und den Pharao beleidigt. Natürlich ist es verständlich, dass sein Umgang mit dem gemeinen Volk ihr nicht gefallen muss, aber als Autor musst du die Kultur und den Charakter der Figur im Hinterkopf behalten. Sie kann ihm immer noch böse oder entsetzte Blicke zuwerfen, dieses Verhalten im Geiste missbilligen, aber den großen Pharao verbal anzugreifen passt zu diesem Bild aus den ersten Kapiteln nicht. Gleiches gilt für Solonis, der sich vor dem Sex mit Selene erst etwas ziert (und auch etwas danach), dann aber versucht den Pharao umzubringen. Entweder ist er impulsiv oder zurückhaltend, beides zusammen funktioniert nicht.
    Es empfiehlt sich also, dass du die beiden noch einmal charakterlich überarbeitest. Sind beide ruhig? Ist Selene ruhig und bringt Solonis wieder auf den Teppich oder anders herum? Haben die beiden charakterliche Schwächen? So könnte man Selene leicht manipulieren oder umstimmen können während Solonis Dinge schnell persönlich nimmt. Die Möglichkeiten für glaubhaftere und stärkere Charaktere sind endlos. Denn: starke Charaktere zeichnen sich nicht durch hohe Ideale oder körperliche Stärken aus. Es ist das Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften.

    Motivationen der Antagonisten
    Dieses Thema ist mir einen eigenen Abschnitt wert, denn es gibt nichts über einen starken Antagonisten. Und mit stark meine ich nicht mächtig, sondern in seiner Motivation schlüssig und überzeugend. Es geht nicht darum, ihn zu mögen oder ihn zu bemitleiden, sondern rein um rationales Verständnis. Das fehlt leider auch noch ziemlich, was ich sehr schade finde, denn als Verkörperung einer Gottheit kann man bei einem Pharao da auch viel mit Kultur und Religion spielen. Dazu komme ich auch weiter unten noch einmal. Der Knackpunkt ist: wie soll dein Protagonist überzeugend sein, wenn sein Gegenspieler schwach aufgestellt ist? Was wissen wir über Ramses, was über Imothep und was über Sam? Gibt es persönliche Grüne zu handeln, wie sie handeln? Wird ihr Bewusstsein durch etwas beeinflusst wie Phantomschmerzen, Drogenmissbrauch, Magie, Traumata, psychische Erkrankungen? Momentan macht es den Anschein, dass die Antagonisten böse sind „weil darum“. Das ist ausgesprochen schade. Denn du musst bedenken, dass gut und böse immer von der Seite abhängen, von der aus man das Ganze betrachtet. Für Selene und Solonis ist Ramses der böse, doch wen sieht er als seinen Antagonisten? Und warum es keinen Sinn ergibt, dass er das Ganze nur zum Begaffen nutzt, dazu komme ich später auch noch.
    Wichtig ist: ein Antagonist hat eine Überzeugung, ein Motiv. Und er hat, genau wie der Protagonist, eine Wertvorstellung von dem, was wichtig, gut und richtig ist. Und er hat Ängste. Im Idealfall gibt es mehrere Gründe, warum der Antagonist handelt, wie er handelt und auch das sollte beleuchtet werden. Doch dafür muss man sich Zeit nehmen.

    Jetzt komme ich zu den zwei Dingen, die eigentlich die größten Schwächen von The Curse sind.

    Historie, Kultur und Religion
    The Curse soll über ein Jahrtausend vor Christus in Ägypten spielen. Grade deswegen habe ich mich sehr darauf gefreut es zu lesen und umso trauriger hat es mich gemacht, dass dieser Handlungsort mit Ägypten nichts wirklich zu tun hatte. Genau genommen war ich ziemlich enttäuscht. Ich selbst bin kein Ägyptologe, aber auch ich verfüge über gewisses Wissen als Mensch, der sich für so frühe Kulturen interessiert und als solcher war ich sogar recht wütend. Wenn du deine Geschichte vor einem real existierenden historischen Hintergrund spielen lassen möchtest, ist Recherche ein absolutes Muss. Und ich meine wirklich gründliche Recherche. Es fängt allein schon mit der Gesamtsituation an. Damals herrschte ein Bürgerkrieg und Hungersnot, man merkt aber nichts davon. Der damals herrschende Ramses hat vieles versucht, um das Reich am Zerbrechen zu hindern. Auch davon merkt man nichts. Dabei hättest du es so gut zu einem seiner Motive machen können, etwa indem er oder einer der Hohepriester einen Traum hatte, wonach so ein Turnier abgehalten werden muss um die Götter zu besänftigen, die das Volk aufgewiegelt haben oder dergleichen. Daran schließt sich der nächste Punkt an: Religion. Die Religion war für die Ägypter essenziell und so ein Turnier würde ein Pharao niemals nur jährlich ausrichten, um sich aufzugeilen. Für uns heute scheint es zwar hirnrissig, aber die Leute damals haben das wirklich alles genau so geglaubt. Den Gedanken an Karma, vor allem mit dem Namen, gab es damals auch nicht und dass Selene als Tochter der Unterschicht an so etwas glaubt und nicht an die Götter – die zu allem Überfluss auch noch kaum beachtet werden – ist unmöglich. Nach den Göttern hat sich alles gerichtet. Und Solonis‘ Aussage, sie wäre der Mittelpunkt der Welt, ist schwerste Gotteslästerung. Das zieht sich auch bis zum Umgang mit dem Pharao. Er wird extrem respektlos behandelt von den Protagonisten. Vergiss nicht, der Pharao verkörpert Horus und allein schon seinen Thronsaal betreten zu dürfen ist für ein armes Mädchen wie Selene die größte Ehre ihres Lebens. Die Menschen damals haben den Pharao auch nicht als gleichgestellten Menschen gesehen, er war mehr als nur Mensch. So jemanden beschimpft man nur in seiner Anwesenheit, wenn man schwer lebensmüde ist.
    Ebenso faktisch unmöglich ist die Tatsache, dass Selenes Mutter Forscherin war und ihre Tochter lesen und schreiben, sogar Schutzformeln schreiben kann. Du schreibst selbst, dass sie Tochter eines einfachen Töpfers ist und es nicht gut läuft bei ihnen. Es gibt für sie keine Möglichkeiten, das je gelernt zu haben, auch nicht für ihre Mutter. Ebenfalls sehr unwahrscheinlich ist, dass weder sie, noch Solonis bisher unverheiratet waren. Die Leute sind damals durchschnittlich mit vierzig Jahren gestorben, Geburten waren ein Risiko, die Kindersterblichkeit hoch und dann gab es noch Seuchen und Krankheiten. Ihre einzige Altersversorgung war es, so früh wie möglich zu heiraten und Kinder zu kriegen. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass Ramses demnach, sollte er wirklich für seine Zeit als alt gelten, zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt sein müsste. Allzu alt und faltig sieht man in dem Alter nun nicht wirklich aus.
    Es geht weiter mit den Namen der Protagonisten, die mir sehr merkwürdig vorkamen, weshalb ich recherchiert habe. Es ist zwar einfallsreich, die Protagonistin Selene und mit Spitznamen „mein Mondschein“ zu nennen, dabei gibt es aber ein paar entscheidende Fehler. Der Name Selene ist griechisch und wird im Griechischen erst einige hundert Jahre später verzeichnet. Außerdem gibt es den Einzellaut „L“ im damaligen Ägyptisch weder gesprochen, noch geschrieben. Den Namen kann also niemand dort aussprechen, zumal es auch keinen Grund gibt, sie überhaupt so zu nennen, da der Name im Ägyptischen keinen Sinn macht. Außerdem war der Kontakt zwischen Ägypten und Griechenland sowie Rom damals noch sehr begrenzt. Gleiches gilt für Solonis, dessen Name übersetzt lateinisch ist für „des Solon“. Nicht grade bedeutungsträchtig oder für Ägypten sonderlich sinnvoll. Noch unsinniger ist in dem Hinblick die Tatsache, dass Solonis‘ Kollegen Griechen und Römer sind. Erst recht welche, die eindeutig noch germanische oder vorderasiatische Verwandtschaft haben und bis zum Anschlag tätowiert sind. Davon abgesehen, dass Tätowierungen sich vor allem im asiatischen Raum entwickelt haben und im afrikanischen Raum sogenannte Schmucknarben wesentlich verbreiteter waren, galt so etwas in der Kultur der Römer und Griechen als Zeichen für Fremdheit und Barbarismus. Die Ägypter sahen das nicht anders. Warum also sollte der Pharao Männer in seine Leibwache aufnehmen, die aus einer völlig anderen Kultur kommen, deren Loyalität er sich nicht sicher sein kann und die zudem wie Barbaren herumlaufen? Solche Leute hätte niemand in die Nähe des Pharao gelassen.
    Nun zu meinem Lieblingsthema: Kostümgeschichte. Ich liebe Kostümgeschichte und ich achte auch immer sehr auf solche Dinge, denn sie machen für mich einen großen Teil der Authentizität aus. Und ich muss leider gestehen, dass mein Herz zu bluten angefangen hat als ich die Geschichte gelesen habe. Es stellt sich so dar als würde Selene zum Arbeit in der Töpferwerkstatt (die übrigens nicht historisch korrekt ist, zusammen mit der Keramik und der Arbeitsweise) eine extrem kurze römische Tunika tragen. Da sie arbeitet und es mittags in diesem Raum außerordentlich warm werden dürfte, ist die wahrscheinlichste Kleidung für sie ein Lendenschurz, den man sich um die Hüften wickelte und vorn knotete. Das Ganze war meist grade so lang, dass es Hintern und Genitalien verdeckte. Erst wenn es abends kühl wurde, zog man sich eine Tunika über, die allerdings nur in Ermangelung anderer überlieferter Namen so genant wird und ein eng anliegendes, meist kurzarmiges Leinenkleid war, dessen Raum immer bis mindestens über die Knie ging. Und ja, es war damals sehr normal, die Brüste einer Frau zusehen. Das Kleid höherer Damen, das Calasiris, wurde so gebunden, dass die Brüste zumindest bis zu den Brustwarzen frei blieben, konnten aber auch durchaus ganz frei sein. Tänzerinnen blieben bis auf einen Hüftgürtel ganz nackt. Entsprechend macht auch dieses ganze Theater mit den Fetzen, dem Kämpfen und dem Verrutschen keinen Sinn. Die Uniform der Leibwachen hat mich ebenfalls innerlich krampfen lassen. Die Beschreibungen ähneln stark den Prunkrüstungen römischer Imperatoren – was historisch noch weiter weg ist als der Name Selene. Auch Leibwachen trugen damals einen Lendenschurz, allerdings wesentlich länger als die zum Arbeiten. Sie gingen bis zu den Knien und bewaffnet war der ägyptische Soldat mit einem Speer. Schwert und Schild haben in der Zeit nichts zu suchen.
    Was ebenfalls dort nichts zu suchen hat: die langen Naturhaare der Frauen. Die Naturhaare wurden entweder kurz geschnitten oder ganz abgeschoren, einfach weil es mit ihnen viel zu heiß werden würde beim Arbeiten in der Sonne. Wer konnte, trug Perücke und hochwertige Perücken waren für eine Töpferin wie Selene unerschwinglich, da sie auch noch regelmäßig von Spezialisten gepflegt werden mussten. Die Einzigen, bei denen ich es verstehen kann, dass man lieber ihre Naturhaare wachsen lässt, wären die blonden und rothaarigen Frauen, die du einbringst, da solches Haar als besonders schön und kostbar galt.
    Es geht weiter mit dem Palast des Pharao. Es scheint so als würde keine richtige Straße dorthin führen. Wenn es Gebäude gab, zu denen es ordentliche Straßen gab, dann waren das Tempel und der Palast des Pharao. Hinzu kommt leider, dass die Architektur völlig falsch ist. Die Beschreibung des Eisentores vermittelt im Geiste den Eindruck einer viktorianischen Gartenpforte und dass es vom Hof direkt in den Thronsaal des Pharao geht, ist schier hanebüchen. Die silberne Pforte lässt mich ebenfalls jedes Mal schaudern. Prunk hin und her, die Pforte wird nicht aus Silber gewesen sein. Und dass ein Pharao einen Schreiber hat, muss ich nicht noch weiter ausführen, hoffe ich. Der Pharao schreibt nicht selbst Befehle, er lässt schreiben und er lässt überreichen. Alles andere wäre unter seiner Würde.
    Und vor allem: was für Hintergründe hat dieses Turnier? Die von dir dargestellten Gründe können nicht stimmen, denn der Pharao war zwar ein Gottkönig, aber immer noch darauf angewiesen, sich einen guten Namen beim Volk zu machen. Was passiert, wenn man das nicht tat, kann man sehr schön an Echnaton sehen. Es muss also religiöse Gründe für dieses Turnier geben, anders könnte er so etwas kaum legitimieren und würde den Zerfall der Dynastie riskieren.
    Ich hoffe, das reicht um zu verdeutlichen, wie wichtig Recherche ist. Und vor allem, wie wichtig gründliche Recherche ist wenn man unbedingt in einem historischen Hintergrund schreiben möchte. Natürlich ist es anstrengend und bedeutet viel Arbeit, aber es lohnt sich wirklich.
    Was du alternativ machen könntest, wäre eine eigene Welt aufzubauen. Du machst die Regeln, du machst die Kultur, du entscheidest, welche Namen Sinn und keinen Sinn machen und so weiter. Allerdings ist das natürlich noch aufwändiger als zu etwas bereits Bestehendem einfach Informationen zu sammeln und auch in deiner eigenen Welt würde ein Leser merken können, was du noch nicht richtig durchdacht hast, aber dafür hast du mehr Freiheiten. Auf jeden Fall solltest du das Ganze noch einmal gründlich überarbeiten, es würde der Geschichte sehr gut tun.

    Die Logik
    Ich gebe zu, ich hinterfrage Dinge sehr schnell auf ihren Sinn. Und vielleicht genau deswegen sind mir sehr viele Dinge aufgefallen, die in der momentanen Fassung der Geschichte unschlüssig sind. Dazu gehören auch Dinge, die ich teilweise schon angesprochen habe. Wenn Selene 18 ist, warum ist sie noch nicht verheiratet? Woher hat sie das Geld für sündhaft teure Farben? Woher hat Solonis das Vermögen für so ein extrem teures Verlobungsgeschenk? Warum haben die in ihrem Haus ein eigenes Bad und sie ihr eigenes Zimmer, die Mutter sogar ein Forschungszimmer? Für einen armen Töpfer war das die absolute Luxusbude. Wie kommen die Prota von Sex auf einmal so schnell auf den Tod der Mutter und warum wird das dann einfach weggelächelt? Das ist eine extrem konstruierte Szene. Und warum sollte Solonis nichts von Seife wissen? Natronseife war durchaus schon bekannt, es gab sogar Mittel gegen Mundgeruch. Auch interessant wäre es zu erfahren, wie groß so ein Zauberstab nun eigentlich ist. Klein wie bei Harry Potter oder ein großes Gerät wie in den meisten Fantasyspielen und einigen Filmen? Wie genau sieht er aus? Wie kommt Solonis auf die Idee, mit einem Zweispänner in eine andere Stadt oder gar außer Landes ziehen zu können? Diese Streitwagen hatten nicht sonderlich viel Platz, da kriegt man keine zwei Leute und so viel Gepäck drauf wie du geschildert hast. Einmal davon abgesehen, dass Pferde frei den vollen Galopp grade etwa zehn Minuten aushalten können, die Reise mit einem Streitwagen wäre also extrem auffällig, da sie die meiste Zeit im Schneckentempo voran kämen. Zudem müsste Solonis gelernt haben, einen Streitwagen zu fahren. Wenn Magier so selten und wertvoll waren, warum haben Hel und Selene sich nicht gleich als solche zu erkennen gegeben? Es hätte ihnen wahrscheinlich aufgrund des Sonderstatus‘ einen Kampf erspart, da Magier ja eine gewisse Nähe zu den Göttern haben. Und warum findet es Solonis besser, als armer Bauer zu leben als dem Pharao als Leibwache zu dienen? Er verdient wesentlich mehr und die gesundheitliche Versorgung ist ebenfalls deutlich besser, er kann seine Familie mit wesentlich mehr unterstützen und eine eigene aufbauen. Warum wird so schnell nach Solonis gefahndet? Nach einem Tag oder einem halben ohne Abmeldung könnte ich es verstehen, aber nach ein paar Minuten? Das ist nicht überzeugend. Warum lässt der Pharao so mit sich umspringen? Es wäre sein gutes Recht, sie sofort verfüttern zu lassen. Und woher haben die solche Waffen zum an die Wand hängen? Die gab es in der Form teilweise noch gar nicht. Woher weiß Selene so viel über Hel wenn die zwei sich grade erst kennen gelernt haben? Und warum haben sie während sie sich gewehrt haben so viele Informationen ausgetauscht wie Name und grundlegende Charakterzüge? Wenn ich das richtig verstanden habe, kreischen und strampeln die zwei nur. Und schon sind wir wieder bei diesem Turnier: warum haben die noch nie auch nur davon gehört? So etwas kann ein Pharao nicht geheim halten. Warum sollte man sie unnötigerweise in Fetzen kleiden wenn es Lendenschurze gibt und der Anblick nackter Frauen alltäglich ist? Und warum gibt es kein logischeres Kampfsystem? Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es um eine Art Selektion getreu dem Motto „survival of the fittest“ oder „wer am Ende noch steht, ist von den Göttern gesegnet und bedeutet durch die Verbindung mit dem Pharao die Versöhnung mit den Göttern“ oder was dir eben noch einfällt. Nach dem jetzigen Kampfsystem ist das Endergebnis allerdings nicht mit der Realität zu vergleichen, denn die stärkste der Frauen – scheinbar ja Sam – wird mit der Zeit müde und kann von einer ausgeruhten, aber schwächeren Frau übermannt werden. Das ist doch nicht Sinn der Sache, oder? Und was ist das bitte für ein Ausscheiden von Sam? An dieser Stelle bin ich ehrlich, dass ich sie bereits mit Ramses geshippt habe. Aber so dämlich, einer Waffe über dem eigenen Kopf wegen eines Lichtstrahls komplett los zu lassen, ist wirklich niemand. Mein Alternativvorschlag wäre ja, dass sie beim Sturm auf Selene in einer gerinnenden Blutlache auf dem glatten Steinboden wegrutscht, im Schreck ihr die Axt aus den Fingern gleitet und ihr auf den Kopf schlägt. Es klingt zumindest realistischer. Und meine wirklich größte Frage nach wie vor ist: warum hat Selene keine anderen Sorgen als dass Ramses‘ Genitalien ihr durch sein Alter nicht gefallen könnten und er im Bett schlecht sein könnte? Es geht hier grade um ihr Leben und er zeigt eindeutigen Hang zum Sadismus. Wäre ich in ihrer Lage, würde ich mich eher darum kümmern. Und warum heißen diese Frauen so? Warum sollten arme Leute ihre Töchter nach Edelsteinen benennen, deren Namen sie wahrscheinlich nicht einmal kennen oder nach einer nordischen Gottheit? Samantha und Tatiana dürfte es ebenfalls noch nicht gegeben haben.

    Es gibt noch mehr Logiklücken als ich hier aufgezeigt habe, aber wirklich alle zu nennen wäre zu viel des Guten. Ich hoffe nur, dass das hier dir Anstoß gibt, es noch einmal zu überarbeiten. Das heißt nicht, dass du es löschen und nie wieder schreiben sollst. Die Idee ist wirklich sehr gut und hat ein unglaubliches Potenzial, das du nutzen solltest. Die Grundvoraussetzungen sind da, es fehlt nur eben noch der Feinschliff. Lass dich bitte von meiner Textwand nicht entmutigen. Geschichten müssen überarbeitet werden um gut zu werden, manche drei Mal, manche zehn Mal und manche noch öfter. Aber das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, es gehört eben dazu. Und ich hoffe, dass meine Anregungen dir helfen, dich als Autor weiter zu entwickeln.

    Als Belohnung für das tapfere Durchlesen des ganzen Textes (manchmal schreibe ich einfach zu viel) habe ich hier noch ein Fanart für Ramses und Sam:

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    1. Liebe Abso Katta,
      Erstmal vielen, lieben Dank für deine hilfreiche Kritik.
      Sie hat mir wirklich an vielen Stellen die Augen geöffnet und mir gezeigt was die Schwachstellen der Geschichte sind.
      Ich habe mir mittlerweile ein paar deiner Vorschläge zu Herzen genommen und die Geschichte überarbeitet.
      So habe ich nun einen Prolog erstellt, der eindeutig darauf hinweist, dass „The Curse“ zum Fantasy-Genre gehört und eine eigene Welt darstellt. Ich hoffe zumindest, dass mir das gelungen ist.
      An dieser Stelle wollte ich mich übrigens dafür entschuldigen, dass dich meine Geschichte aufgrund der geschichtlichen Diskrepanzen traurig bis wütend gemacht hat.
      Das war nicht meine Absicht, ebenso wenig den Anschein zu erwecken einen wirklich historischen Roman zu verfassen.
      Auch die fälschlicher Verwendung von „Schwarz vor Augen“ sowie „Karma“ habe ich herausgeschrieben.
      Aber auch auf Seltenes Schüchternheit nehme ich nun Rücksicht und versuche ihre Charaktereigenschaft einzuhalten.
      Zu dem Ende und der Kürze der Geschichte:
      Die Beiträge im Internet stellen nicht die ganze Story dar, sondern bildet nur einen kleinen Teil.
      So wird noch mehr auf die Charaktere Ramses, Custos, Gladius, Selene und Solonis eingegangen.
      Zum Thema Autorwissen:
      Ja, da habe ich echt was falsch gemacht.
      Denn ich habe mein Autorwissen zurückgehalten, dass Selene und Hel sich während des Umziehens auf dem Gelände des Palastes kennen gelernt haben.
      Ich muss als noch ein Zwischenkapitel schreiben und einfügen, um dies deutlich zu machen;)
      Zum Thema Sieg durch Sonnenstrahlen:
      Du hast Recht, das klingt selbst für einen Fantasyroman sehr weit hergeholt. Dein Vorschlag ist daher besser. Darf ich diesen also verwenden?
      Zum Zauberstab:
      Jeder Zauberstab eines „Herren oder einer Herrin des Stabes“ ist genau 18 cm lang und besitzt einen Durchmesser von 1cm.
      Fazit: Großen Dank für deine Mühe und deine aufgebrachte Zeit:)
      Deine Kritik war, wie geschrieben, sehr hilfreich und sehr unterstützend.
      Einfach klasse!

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  2. An alle:
    Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin und ich weiß, dass mich viele für arrogant und gemein halten…
    Doch das bin ich nicht, zumindest nicht mit Absicht.
    Ich bin normalerweise echt nett, aber wenn es um meine „Bücher“ geht bin ich wirklich blind vor Liebe.
    Ich sehe dann einfach über Fehler hinweg und stürze mich schützend, wie eine Mutter, auf meine Geschichten.
    Das war falsch und unfair vor allem gegenüber meinen Kritikern.
    Zudem bin ich im echten Leben extrem schüchtern, meide Augenkontakt und Gespräche mit Fremden und wollte mir hier im Internet ein anderes, selbstsicheres Ich aufbauen.
    Doch auch dies ging in die Hose…
    Denn dadurch wirkte ich richtig fies und eingebildet.
    Eigenschaften, die ich selbst überaus verabscheue.
    Also jedem, den ich irgendwie zu Nähe getreten sein sollte: Es tut mir leid und ich hoffe ihr könnt mir verzeihen.
    P.S. Ich bin nicht sehr oft im Internet. Wenn ich mich mal länger nicht melde, fasst es nicht als Ignorieren auf. Es ist einfach nur mein natürlicher Nichtinternet-Rhythmus.

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